1. April  -  Aussaat

 

Endlich ist es soweit. Nach fast einem halben Jahr Winterruhe in einer langweiligen Papiertüte, darf ich heute wieder zurück in die Erde.

 
Für alle, die mich noch nicht kennen: Ich heiße Roter Heinz und bin eine alte Tomatensorte aus Hannover. Schon vor über 70 Jahren war ich in Hannover bekannt und wurde in vielen Gärten angebaut. Wenn ihr wollt, erzähle ich Euch in den nächsten Monaten mehr von mir und meiner langen Geschichte. 

 
Nun soll es aber losgehen, denn im April ist es eigentlich schon ein bisschen spät, um mit der Anzucht von Tomatenpflanzen zu beginnen.

 
Zunächst reicht mir ein kleiner Blumentopf gefüllt mit Anzuchterde auf einer warmen Fensterbank mit möglichst viel Sonnenlicht. Am besten steckt Ihr zwei Samenkörner 1cm tief in die Erde. Die Körner sollten nicht zu dicht nebeneinander liegen, sondern einen Abstand von 2 bis 3cm haben. 

 

Am Anfang bitte nicht so stark gießen. Achtet aber darauf, dass die Erde in den nächsten Tagen etwas feucht bleibt und nicht zu trocken wird. 

 

Zwei Samenkörner des "Roten Heinz" in feuchter Anzuchterde.
Zwei Samenkörner des "Roten Heinz" in feuchter Anzuchterde.

 

Heute vor 70 Jahren

 

Der 1. April 1945 war ein sonniger und milder Ostersonntag. Über der Stadt lag eine erschöpfte, gespannte aber auch hoffnungsvolle Stille.

 

Bestimmt hat es auch an diesem Tag Kinder in Hannover gegeben, die Samenkörner von mir in einen Blumentopf säten und den Topf auf eine Fensterbank stellten.

 

Leider gab es zu dieser Zeit nicht mehr viele unversehrte Fensterbänke in Hannover, denn die Stadt war ein einziger Trümmerhaufen. Über die Hälfte aller Häuser waren während des 2. Weltkriegs zerstört worden, der nun schon über fünfeinhalb Jahre dauerte.

 

Die Ruine der Ägidienkirche erinnert noch an die zerstörte Stadt 1945
Die Ruine der Ägidienkirche erinnert noch an die zerstörte Stadt 1945

 

Doch die Bombenangriffe der Flugzeuge würden bald aufhören, das wussten die meisten Kinder und die reifen Tomaten würde man bereits nach Kriegsende ernten.

 

Was aber nach dem Krieg sein würde, war jedoch ganz ungewiss und noch war es nicht vorbei. Erst wenige Tage war es her, als die Stadt Hildesheim bei einem Luftangriff völlig zerstört wurde, die bis dahin größtenteils verschont geblieben war.

 

Auch Hannover war in der Nacht zu Karfreitag noch einmal Ziel englischer Fliegerbomben, doch sollte dieser der letzte von insgesamt 128 Angriffen auf Hannover gewesen sein.