9. April  -  Lüften

 

Sobald die Keimblätter sichtbar sind, solltet ihr auf eine ausreichende Lüftung achten. Anzuchtschalen mit Plastikdächern zum Beispiel haben meistens kleine Lüftungsvorrichtungen, die ihr nun öffnen solltet, falls ihr solche Schalen verwendet.

 

Manche von Euch haben vielleicht eine Folie über einen Blumentopf gespannt, damit die Erde nicht so schnell austrocknet. Diese könnt ihr nun entfernen. Auf keinen Fall sollten sich kleine Wassertropfen an den Keimblättern bilden, weil diese schnell zu Pilzbefall führen.

  

 

Heute vor 70 Jahren

 

Am 9. April verschwanden in Hannover, wie von Geisterhand, sämtliche Uniformen von den Straßen. Alles, was jemanden als Nazi hätte entlarven können, wurde verbrannt oder versteckt.

 

In den Tagen zuvor wurde das nationalsozialistische Denken und Handeln aber noch einmal auf die Spitze getrieben. Der hannoversche Gauleiter, also der oberste Nationalsozialist der Stadt, rief alle Hannoveraner zum erbitterten Widerstand gegen den Feind auf.

 

Im Radio verlas er am 4. April einen Appell mit dem Titel "Lieber tot als Sklave", der auch in der hannoverschen Zeitung veröffentlicht wurde.

 

Dies ist ein Auszug daraus:

 

[...]

Wir sind gewillt und entschlossen, alle uns zur Verfügung stehenden Mittel und Möglichkeiten erbarmungslos einzusetzen, um unsere niedersächsische Erde, unsere Frauen und das höchste und wertvollste Gut, unsere Kinder, vor dem Zugriff der Anglo-Amerikaner und der ihnen folgenden Juden, Neger, Zuchthäusler und Gangster zu schützen. Verloren ist nur das, was man verloren gibt! Auch dieser Krieg wird nur dann ein unübersehbares und schreckliches Ende finden, wenn wir kapitulieren. Dazu besteht nicht nur keine Veranlassung, sondern auch keine Möglichkeit. Irrsinnig der, der an die Möglichkeit eines ehrenvollen Friedens glaubt und die englisch-amerikanischen Feinde anders als die Horden Stalins einschätzt. [...]

 

Der Gauleiter Hartmann Lauterbacher hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seine Flucht geplant und setzte sich am 8. April in Richtung Harz ab. Für seine Taten wurde er nie zur Verantwortung gezogen, weil man ihm keine konkreten Verbrechen nachweisen konnte.

 

Nach dem Krieg machte er z.B. als Diplomat oder als Mitarbeiter des Bundes-nachrichtendienstes Karriere. Seine internationalen Kontakte, die er u.a. als Stabsführer der Hitlerjugend geknüpft hatte, waren ihm dabei sehr hilfreich. In den 80er Jahren veröffentlichte er seine Memoiren, die keine Zeichen von Reue enthielten und starb 1988 in Seebruck am Chiemsee. 

 

Seinem Appell vom 4. April 1945 folgten in Hannover gerade die jungen, zum Teil erst sechzehnjährigen Jungen. Viele taten dies mit Stolz, denn in der Schule und in der Hitlerjugend hatte man ihnen jahrelang eingetrichtert, dass es eine große Ehre sei, für Hitler und Vaterland zu sterben.

 

Der folgende Filmbeitrag von 1940 zeigt die Ernennung Hartmann Lauterbachers zum Gauleiter von Hannover im Kuppelsaal:

 

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