15. Mai  -  Eisheilige

 

Der 15. Mai ist der Namenstag der "Kalten Sophie" , er markiert das Ende der sogenannten "Eisheiligen". Eine alte Bauernregel besagt: "Vor Nachtfrost Du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist".

 

Außer ihr gibt es noch den "Mamertus" (11. Mai), den "Pankratius" (12.Mai), den "Servatius" (13. Mai) und den Bonifatius (14. Mai). Sie waren christliche Märtyrer aus dem 4. und 5. Jahrhundert, als das Christentum im alten Rom noch verboten war und sie wurden alle auf die eine oder andere Weise umgebracht.

 

Aufgrund der Umstellung auf den gregorianischen Kalender im 16. Jahrhundert warnen die Eisheiligen eigentlich eine Woche zu früh vor dem letzten Bodenfrost, diese Ungenauigkeit wird aber wahrscheinlich durch die Auswirkungen der Klimaerwärmung wieder korrigiert, so dass man die frostempfindlichen Pflanzen nun getrost auch nachts nach draußen stellen darf und man die Eisheiligen in 30 Jahren vermutlich auf Ende April verlegen wird.

 

Allerdings gibt es für diese Regel keine Garantie, denn bei den "Eisheiligen" handelt es sich nicht, wie viele glauben, um ein Wetterphänomen. Es ist allein eine Frage der Wahrscheinlichkeit und ab Mitte Mai geht diese halt gegen Null, was aber nicht heißt, dass es danach keinen Frost mehr geben kann.

 

Was Tomaten betrifft, sollte man wirklich vorsichtig sein, denn schon ein kurzer Bodenfrost kann die Pflanzen umbringen. Ihr Zellgewebe besteht größtenteils aus Wasser und wird bei Frost förmlich kaputtgesprengt.

  

Tomatenpflanze mit Frostschaden
Tomatenpflanze mit Frostschaden

 

Vor 70 Jahren

 

Für die Bevölkerung und die Wirtschaft des Landes waren die zerstörten Städte natürlich eine Katastrophe von historischem Ausmaß und es mag nicht viele Menschen gegeben haben, die dem etwas Gutes abgewinnen konnten. 

 

Zwei Berufsgruppen dürfte das kaputte Land aber wie ein Eldorado vorgekommen sein, nämlich Archäologen und Stadtplaner. Archäologen, weil es in den dicht bebauten Städten normalerweise selten die Gelegenheit gibt, an den besonders interessanten Stellen den Untergrund zu erforschen und Stadtplaner, weil sich ihnen unter normalen Umständen niemals die Möglichkeit bietet, eine komplette Stadt neu zu planen.

 

Der in Linden geborene Architekt und spätere Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht hatte das früh erkannt und befasste sich schon während des Kriegs mit der Planung des Wiederaufbaus deutscher Städte. Er war z.B. Mitglied im 1944 von Albert Speer gegründeten Wiederaufbaustab. Die Konzepte, die dabei in der Endphase des Kriegs erarbeitet wurden, holte man später wieder aus der Schublade und führte sie fort. Der Einfluss Hitlers dürfte dabei auch eine Rolle gespielt haben, da Albert Speer zu seinen engsten Vertrauten gehörte.

 

Rudolf Hillebrecht hatte maßgeblichen Anteil an der Planung des Neuaufbaus von Hannover. Unter ihm wurde Hannover zu einer Musterstadt des deutschen Wiederaufbaus, wobei er ausdrücklich die Bezeichnung "Neuaufbau" bevorzugte. Der Spiegel widmete ihm 1959 sogar einen Titelbericht mit der Überschrift "Das Wunder von Hannover", welcher besonders die zukunftsorientierte und autogerechte Verkehrsplanung hervorhob.

 

Ein Freund von Erhaltung historischer Bausubstanz war Hillebrecht allerdings nicht. Viele historische Gebäude, die den Krieg zum Teil schadlos überstanden hatten, wurden noch bis in die 70er Jahre hinein abgerissen.

 

Spiegel-Ausgabe aus dem Jahr 1959
Spiegel-Ausgabe aus dem Jahr 1959

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