28. Juni  -  Hummeln

"Roter Heinz" nach 88 Tagen
"Roter Heinz" nach 88 Tagen

 

Der "Rote Heinz" steht mittlerweile in voller Blüte und hat zum Teil schon Früchte angesetzt. Die Blüten blühen 2-4 Tage und befruchten sich selbst, indem die Pollen bei leichter Erschütterung, z.B. verursacht durch Wind, auf die Blütennarbe fallen. Die Befruchtung kann künstlich verstärkt werden, wenn man die Pflanzen etwas schüttelt, was später zu einem höheren Fruchtertrag führt. Auch eine Fremdbefruchtung durch andere Pflanzen ist bei Tomaten möglich, kommt aber selten vor, so dass man unterschiedliche Tomatensorten ruhig nebeneinander im Garten platzieren kann.

  

 

In der Natur helfen besonders Hummeln bei der Bestäubung von Tomatenblüten. Durch die moderne Landwirtschaft, das Abmähen blühender Flächen, den Insektizid-Einsatz sowie den Anbau von Monokulturen sind gerade in ländlichen Gebieten leider immer mehr Hummelarten vom Aussterben bedroht. In vielen Gärtnereien ist es mittlerweile üblich, ganze Hummelvölker bei speziellen Insekt-Zuchtbetrieben zu bestellen und sich diese paketweise mit der Post senden zu lassen. 

   

Weil es nicht mehr genug Hummeln gibt, kommen die meisten Hummeln heutzutage mit der Post zu den Tomaten...
Weil es nicht mehr genug Hummeln gibt, kommen die meisten Hummeln heutzutage mit der Post zu den Tomaten...

 

Jeder Mensch kann etwas gegen das Hummelsterben tun, denn naturnahe und artenreiche Gärten tragen nicht nur zur Erhöhung der biologischen Vielfalt bei, sondern verbessern auch die Überlebenschancen vieler Hummelstaaten und selbst jeder blütenreiche Balkon bereichert das Nahrungsangebot der bedrohten Insekten.

  

 

Vor 70 Jahren

 

In den letzten Juniwochen stellte sich in Hannover an manchen Stellen wieder ein wenig Normalität ein. Es war der erste Sommer in Freiheit nach sechs langen Kriegsjahren. Besonders die letzten zwei Jahre des "totalen Kriegs" waren von vielen Entbehrungen und Verboten geprägt, Tanzveranstaltungen z.B. waren in dieser Zeit gänzlich verboten.

 

In dieser Hinsicht gab es besonders bei jungen Menschen sehr viel Nachholbedarf und sie genossen die ungewohnten Freiheiten, die sich nun boten. Überall in der Stadt, wo sich ein halbwegs erhaltenes Lokal mit einer Tanzdiele befand, das nicht ausschließlich für englische Soldaten öffnen durfte, wurde Samstagabend gefeiert und getanzt. Für ein paar Stunden konnte man so dem alltäglichen Elend entrinnen und für einen Abend die Erinnerungen an den Krieg und die Sorgen um die Zukunft vergessen. Getanzt wurde nach den bekannten deutschen Schlagern, aber auch die amerikanische Musik, die man über Radio Luxemburg empfing, konnte nun ungestraft genossen werden.

 

Die "Rote Mühle" in der Schmiedestraße gehörte zu den bekanntesten und größten Tanz- und Unterhaltungslokalen in Hannover. Während des Kriegs stark beschädigt, wurde es 1947 wiedereröffnet. Das Gebäude wurde 1971 abgerissen.
Die "Rote Mühle" in der Schmiedestraße gehörte zu den bekanntesten und größten Tanz- und Unterhaltungslokalen in Hannover. Während des Kriegs stark beschädigt, wurde es 1947 wiedereröffnet. Das Gebäude wurde 1971 abgerissen.

 

Besonders für die jüngeren Menschen gab es nun das Problem, dass sie das Tanzen gar nicht erlernt hatten, weil sie vor dem Krieg noch zu jung dafür waren. Besonders in den umliegenden Dörfern, wo die Gaststätten weitestgehend unversehrt geblieben waren, nutzten Tanzlehrerinnen die Gunst der Stunde und boten die ersten Tanzkurse an. Tanzschulen öffneten somit noch vor den regulären Schulen und die Kurse waren hoffnungslos überfüllt.

 

Sogar in einem Saal der hannoverschen Stadthalle wurden im Herbst Tanzkurse angeboten, wenn auch unter widrigen Umständen. Als es kälter wurde, musste z.B. jeder Teilnehmer ein Stück Holz zum Heizen mitbringen und zu den Abschlussbällen kamen viele Mädchen mit aus Stoffresten zusammengenähten Kleidern. Viele ältere Jungen hingegen kamen zumeist, weil sie nichts anderes besaßen, in ihren dunkel eingefärbten Wehrmachts-Uniformen. Die englische Militärregierung hatte das Einfärben sämtlicher Uniformen kurz nach der Befreiung der Stadt angeordnet.