23. August  -  Ernte

 

Seit einigen Wochen lässt sich der "Rote Heinz" reichlich ernten. In unserem Gewächshaus aber auch im Garten reiften die ersten Früchte bereits ab Mitte Juli und gehörten damit zu den frühesten Tomatensorten. Geschmacklich mag die hannoversche Sorte den einen oder anderen vielleicht etwas enttäuschen, da sie nicht zu den Tomaten mit einem besonders ausgeprägten Aroma gehört. Die Stärken des "Roten Heinz" liegen eher beim Ertrag, der Erntedauer und der Robustheit und genau das waren die Eigenschaften, die in der Nachkriegszeit gefragt waren. 

 

Während heutzutage Tomaten aus dem eigenen Garten bald nach der Ernte verzehrt werden, kochte man damals einen Großteil der Früchte ein, um sie im Winter für Suppen und Soßen verwenden zu können. Gemüse aus dem eigenen Garten ist heute eher eine willkommene und gesunde Abwechslung zum monotonen Supermarktangebot. Damals war eine reiche Ernte und die anschließende Konservierung sehr wichtig, denn niemand wusste, wie hart der nächste Winter werden würde.

  

"Roter Heinz"
"Roter Heinz"

 

Für die Menschen in der Nachkriegszeit waren die ersten reifen Früchte des "Roten Heinz" trotzdem ein hoher Genuss auf den man lange hatte warten müssen, denn das Frühjahr, als die meisten Wintervorräte verbraucht waren, war eine lange entbehrungsreiche Zeit. Ein Mann aus Kirchrode berichtete uns, dass seine Eltern den "Roten Heinz" seit Anfang der 1940er anbauten und er hatte den Geschmack dieser Sorte sehr angenehm in Erinnerung.

 

Der "Rote Heinz" ist ein gutes Beispiel dafür, wie alte Gemüsesorten uns etwas über vergangene Zeiten erzählen können. Allein schon aus diesem Grund sollte man diese lebendigen Zeitzeugen nicht aussterben lassen.


 

Vor 70 Jahren

 

Im August 1945 wurde mit dem Abwurf der ersten Atombomben über Hiroshima und Nagasaki deutlich, welche Kriegsfolgen auch für deutsche Städte möglich gewesen wären. Die Entwicklung der Bombe wurde Anfang der 1940er Jahre schließlich begonnen, weil die USA ein deutsches Atombombenprogramm befürchteten.

 

Nur der Kriegsverlauf verhinderte ein Abwerfen auf deutschem Gebiet und es gibt Vermutungen, dass die Fertigstellung der Bomben bei einer anderen Methode der Urananreicherung schon 1944 hätte erfolgen können. Angeblich gab es Pläne, die Bomben über Mannheim, Ludwigshafen oder Dresden zu zünden.

 

Hannover wäre natürlich auch ein mögliches Ziel gewesen, auch deshalb entwickelte sich hier in der Nachkriegszeit eine Solidarität zu den Menschen in Japan, besonders zu denen in der Stadt Hiroshima. Ausgehend von einem ersten Jugend-austauschprogramm 1968 wuchs über die Jahre eine enge Verbindung beider Städte, welche 1983 mit einer offiziellen Städtepartnerschaft besiegelt wurde. 


Der Hiroshima-Hain in Hannover. 110 japanische Kirschbäume erinnern an die 110.000 Todesopfer von Hiroshima am 6. August 1945
Der Hiroshima-Hain in Hannover. 110 japanische Kirschbäume erinnern an die 110.000 Todesopfer von Hiroshima am 6. August 1945


Maßgeblichen Anteil an dieser Partnerschaft hatte der im Jahre 2010 verstorbene Japaner Toshihiko Hayashi, der 1945 den Atombombenabwurf auf Hiroshima überlebt hatte. Hayashi war geschäftsführender Präsident der International Youth Association Hiroshima und hatte sich jahrzehntelang für die Verständigung der Jugend und der Erziehung zum Frieden engagiert. An seinen ersten Besuch in Hannover erinnerte er sich wie folgt:


 „Es war im Sommer 1968, als ich zum ersten Mal die Stadt Hannover besuchte; ich war sofort von dieser Stadt begeistert. Als ich jedoch zu meinem Erstaunen hörte, dass diese Stadt im 2. Weltkrieg zu 90% zerstört wurde, dachte ich sofort an Hiroshima. Wenn zwischen Hiroshima, der Stadt mit den vielen Flüssen, und Hannover, der Stadt im Grünen, zwei Städten mit einer ähnlichen Bevölkerungsstruktur und einer gleichen Kriegserfahrung, sich ein Austausch entwickeln könnte, wäre dies ein gutes Beispiel für den Frieden. Aus diesem Grund fasste ich den Entschluss, mich für die Intensivierung der Annäherung zwischen den Menschen in beiden Städten einzusetzen.“