4. September  -  La Tomatina

 

Letzte Woche fand in der kleinen südspanischen Stadt Bunol die Tomatina statt, eine Art Volksfest, bei dem sich tausende von Menschen zu einer gigantischen Tomatenschlacht zusammenfinden. Die Tomatina findet einmal jährlich am letzten Mittwoch im August statt, um Punkt 11 Uhr Vormittags werden für die Dauer von einer Stunde tonnenweise überreife Tomaten aus der Region Valencia zur Verfügung gestellt.

 

Seit 2013 wird die Teilnehmerzahl zu diesem sinnfreien Spektakel auf 20.000 begrenzt, nachdem in den Jahren zuvor die 10.000-Einwohner-Stadt mit einem Besucheransturm von bis zu 40.000 Menschen jedes Mal im Chaos und in Tomatensoße zu versinken drohte.

   

  

Ihren Ursprung hatte die Tomatina in den 1940er Jahren, als sich ein paar Einwohner der Stadt wegen eines harmlosen Streits mit Tomaten beschmissen, über die Hintergründe dieser Ur-Tomatina gibt es jedoch keine genauen Überlieferungen mehr und es kursieren verschiedene Theorien darüber. Als sich in den darauf folgenden Jahren daraus ein alljährliches Ritual mit immer mehr Beteiligten entwickelte, gelangte der Spaß besonders bei den Hausbesitzern und der Stadtverwaltung an seine Grenzen.

 

Anfangs versuchte man es mit einem relativ erfolglosen Verbot, was dem zunehmenden Interesse aber keine Abhilfe verschaffte, so dass die Stadtverwaltung schließlich kapitulierte und 1959 das Verbot wieder aufhob. Im Laufe der Jahre wurden neben dem Spaß der Beteiligten auch die Vorteile für die bis dahin völlig unbekannte Kleinstadt Bunol deutlich, dessen Name allmählich in ganz Spanien bekannt wurde und zunehmend Touristen aus aller Welt anlockte.

 

Heute gibt es weltweit wohl nur noch wenige Nachrichtensender, die am letzten Mittwoch im August nicht von der Tomatina aus Bunol berichten. 

  

 

Vor 70 Jahren

 

Gegen Ende des Sommers 1945 gab es Hoffnung auf ein baldiges Abebben des gewaltigen Flüchtlingsstroms aus den ostdeutschen Gebieten, die sich mit dem Abschluss der Potsdamer Konferenz Anfang August jedoch nicht erfüllte. 

 

Schon zu Beginn der Konferenz wurden die gegensätzlichen und zum Teil unvereinbaren Positionen der Alliierten offensichtlich, besonders im Hinblick auf die Reparationen, die Deutschland leisten sollte.

 

Während die USA den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft nicht mit zu hohen Reparationen behindern und damit aus den Fehlern des 1. Weltkriegs lernen wollten, verlangte Russland eine angemessene Entschädigung. Die Konferenz drohte wegen dieses Konflikts zu scheitern und man einigte sich schließlich darauf, dass jede Partei in der ihr zugeordneten Besatzungszone eigenmächtig über die Höhe der Entschädigungssummen entscheiden dürfe. Letztlich wurden durch diesen Kompromiss die Weichen für eine spätere Teilung Deutschlands gestellt.

  

Zudem offenbarte die Konferenz, dass die westlichen Alliierten gegen die bereits von Russland in Gang gebrachte Umsiedlung von Deutschen jenseits der Oder-Neiße-Linie keinen erheblichen Widerstand leisten würden. Aus der Umsiedlung wurde daraufhin eine gewaltsame Vertreibung der deutschen Bevölkerung, welche nun für die Verbrechen der Naziherrschaft mit hunderttausenden von Todesopfern und mit dem Verlust ihrer Heimat bezahlen musste.

 

Die Folgen der Potsdamer Beschlüsse waren auch für Hannover beträchtlich, denn der wieder zunehmende Flüchtlingsstrom war für die Stadt praktisch nicht zu verkraften und eine hinreichende Versorgung der notleidenden Bevölkerung im kommenden Winter wurde immer unwahrscheinlicher.