30. Oktober  -  Vertriebene und Flüchtlinge im "Großen Freien"

 

Im Frühjahr dieses Jahres gab es im Regionalmuseum Sehnde, an dem wir mit unserer Saatgutinitiative beteiligt sind, eine Ausstellung zum Thema „Vertriebene und Flüchtlinge“. Die Ausstellung hatte die Flucht und Vertreibung während der Nachkriegszeit vor 70 Jahren zum Inhalt und obwohl sie erst ein halbes Jahr her ist, waren wir uns bei der Eröffnung über ihre Aktualität und den Bezug zur Gegenwart noch nicht bewusst.

 

In den vergangenen Monaten ist es jedoch, wie in vielen deutschen Städten und Kommunen, zum zentralen Diskussionsthema geworden, das kaum noch jemanden kalt lässt. Auch in den Ortschaften des „Großen Freien“ ist das zu spüren, in denen überdurchschnittlich viele Menschen leben, die selbst oder deren Eltern und Großeltern auf schmerzlichste Weise die Erfahrung von Flucht und Vertreibung erleben mussten. Vieles, was in den Gedanken der Betroffenen seit Jahrzehnten unterdrückt wurde, tritt nun wieder zu Tage.

 

Die Ausstellung "Vertriebene und Flüchtlinge" zeigte einen Flüchtlingswagen, dessen Fahrt 1945 im "Großen Freien" in der Ortschaft Haimar endete.
Die Ausstellung "Vertriebene und Flüchtlinge" zeigte einen Flüchtlingswagen, dessen Fahrt 1945 im "Großen Freien" in der Ortschaft Haimar endete.


Das Gebiet des „Großen Freien“ liegt vor den Toren Hannovers und führte bis in die 1930er Jahre hinein überwiegend ein von ländlicher Idylle geprägtes Dasein. Die Ortschaften Lehrte und Sehnde hatten sich durch ihre Bahnanschlüsse Mitte des 19. Jahrhunderts und der daraus resultierenden Industrieansiedlung schon bis zu dieser Zeit deutlich vergrößert. 

 

Lehrte im Jahr 1896: Der süd-östliche Teil besteht aus dem ursprünglichen Dorf Lehrte. Das Zentrum der schnell wachsenden neuen Stadt ist der im Jahr 1843 errichtete Bahnhof.
Lehrte im Jahr 1896: Der süd-östliche Teil besteht aus dem ursprünglichen Dorf Lehrte. Das Zentrum der schnell wachsenden neuen Stadt ist der im Jahr 1843 errichtete Bahnhof.

  

Durch den Zustrom der Flüchtlinge ab 1945 veränderte sich das Bild beider Ortschaften in wenigen Jahren beträchtlich, so verdoppelten sich die Einwohnerzahlen innerhalb von ca. zwei Jahrzehnten. Große Acker- und Weideflächen verwandelten sich in Neubaugebiete, so dass man den ehemals dörflichen Charakter beider Städte bald nur noch erahnen konnte. Heute gibt es in Lehrte und Sehnde wahrscheinlich deutlich mehr Menschen mit Migrations-hintergrund aus der damaligen Zeit als Einheimische.  

 

Sehnde im Jahr 1896: Der dörfliche Charakter der Ortschaft hat sich durch den Bahnhof noch nicht wesentlich verändert. Städtische Strukturen bilden sich erst langsam im Zuge des Kalibergbaus und der Zuwanderung während der Nachkriegszeit.
Sehnde im Jahr 1896: Der dörfliche Charakter der Ortschaft hat sich durch den Bahnhof noch nicht wesentlich verändert. Städtische Strukturen bilden sich erst langsam im Zuge des Kalibergbaus und der Zuwanderung während der Nachkriegszeit.