7. November  -  JVA im "Großen Freien"

 

Im Zentrum des „Großen Freien“ befindet sich die Justizvollzugsanstalt Sehnde. Die meisten Menschen dort sind jedoch alles andere als frei, denn die JVA gehört zu den größten und modernsten Haftanstalten des Landes Niedersachsen. Mehr als 500 ausschließlich männliche Bewohner haben hier zumeist für längere Zeit eine Bleibe gefunden.  

 

JVA Sehnde, Foto: Neue Presse
JVA Sehnde, Foto: Neue Presse

  

Anfang der Woche wurde der mutmaßliche Brandstifter, über den wir beim letzten Blog-Eintrag berichteten, dort vorübergehend eingeliefert. Bei der Vernehmung durch die Polizei gestand das Mitglied der freiwilligen Feuerwehr mehrere weitere Brandstiftungen in den letzten Jahren. Das zündeln sei bei ihm zwanghaft, also ein Fall von Pyromanie.

 

Es handelt sich um einen uns bekannten Menschen, was uns sehr betroffen macht, auch weil niemand ihm zutrauen würde, selbst einer Fliege etwas zu Leide zu tun. Laut seiner Aussage soll bei dem Anschlag von letzter Woche kein fremdenfeind-liches Motiv eine Rolle gespielt habe. Dass er aus purem Zufall ausgerechnet diese Haustür angesteckt hat, ist allerdings auch nicht leicht zu glauben.

 

Auch dieser Brand am 28. Februar in Haimar ging vermutlich auf das Konto des mutmaßlichen Brandstifters
Auch dieser Brand am 28. Februar in Haimar ging vermutlich auf das Konto des mutmaßlichen Brandstifters

  

Leider hat die Gewalt gegen Flüchtlinge in den letzten Wochen und Monaten im ganzen Bundesgebiet deutlich zugenommen. Die Berichte davon in den Zeitungen werden allerdings immer kleiner und seltener und von Empörung in der Bevölkerung gegen diese Gewalt hört man auch immer weniger, was vor einem Jahr bestimmt noch ganz anders gewesen wäre. Manch potentiellem, fremdenfeindlich-motiviertem Gewalttäter wird die sich ändernde Stimmung in der Bevölkerung nicht entgehen, was die Hemmschwelle zur Begehung weiterer Gewalttaten nicht heben dürfte.


Man mag sich kaum ausmalen, wie die Stimmung sich in einem weiteren Jahr verändern könnte, wenn die Flüchtlingsströme nicht kleiner werden. Die vielen ungelösten Konflikte weltweit lassen jedenfalls nichts Gutes erahnen und die Krisen und Kriege scheinen immer näher an Europa heranzurücken. Manche Länder haben ihre Grenzen bereits geschlossen und bald werden auch die Stimmen in Deutschland lauter und zahlreicher werden, dies zu tun. Wenn man Grenzen schließt, dann wird man auch bereit sein müssen, diese zu sichern, notfalls mit Gewalt. Wer weiß, vielleicht ist die Zukunft gar nicht so fern, in der Europa wieder zu einer Festung wird mit hohen Zäunen und Stacheldraht wie in Ungarn und Deutschland wieder zu einem Hochsicherheitstrakt, so ähnlich wie auf dem Bild oben von der JVA Sehnde.