9. November  -  Bekannte und Bekanntes aus dem "Großen Freien"

 

Wenn man sich mit der Geschichte der Ortschaften aus dem "Großen Freien" beschäftigt, gibt es nicht viel, was von überregionaler Bedeutung wäre. Hinsichtlich bekannter Persönlichkeiten wären Ursula von der Leyen zu nennen, die lange Zeit im

Kernort des "Großen Freien", der Ortschaft Ilten, gewohnt hat und die ihre

politische Karriere im Stadtrat Sehnde begann. Auch Gerhard Schröder, viele Jahre wohnhaft in Lehrte und der prominenteste Gewinner dieses Wahlkreises, fallen uns sofort ein.

 

Aus kultureller Sicht ist an erster Stelle Kurt Hirschfeld zu nennen, der 1902 in Lehrte geboren wurde und wegen seiner jüdischen Abstammung während der Nazi-Herrschaft in die Schweiz emigrierte, wo er das deutschsprachige Theater bedeutend mitprägte und Direktor des Zürcher Schauspielhauses wurde. Außerdem erwähnenswert ist der Schriftsteller Ronald M. Schernikow, der in Lehrte aufwuchs und als bekennender Kommunist noch im September 1989 von West- nach Ost-Berlin übersiedelte. Mit 31 Jahren verstarb er 1991 sehr früh und hinterließ nur wenige, aber zum Teil sehr beachtete literarische Werke. 

 

Ursula von der Leyen bewirbt sich 2001 als Ortsbürgermeisterin für Sehnde-Ilten
Ursula von der Leyen bewirbt sich 2001 als Ortsbürgermeisterin für Sehnde-Ilten
Gerhard Schröder 1997 bei der Verleihung der Stadtrechte für Sehnde, damals noch als Ministerpräsident des Landes Niedersachsen
Gerhard Schröder 1997 bei der Verleihung der Stadtrechte für Sehnde, damals noch als Ministerpräsident des Landes Niedersachsen

  

Überregional bekannt ist sicher auch der Lehrter Bahnhof, der im 19. Jahrhundert  für das Königreich Hannover und auch für Preußen von großer wirtschaftlicher Bedeutung war. Nicht umsonst trägt der Berliner Hauptbahnhof heute immer noch die Nebenbezeichnung „Lehrter Bahnhof“.

 

Was für viele Menschen weniger bekannt sein dürfte, ist die Tatsache, dass ein Ort aus dem "Großen Freien" auf dem Gebiet der Saatzucht eine für ganz Deutschland, insbesondere für das alte westdeutsche Bundesgebiet, sehr wichtige Rolle gespielt hat. So wurde im Jahr 1954 in der Ortschaft Rethmar die Hauptstelle des Bundessortenamts gegründet. Von hier wurden lange Zeit die Zulassungen neu gezüchteter Kultursorten reglementiert und bestimmt, was auf den Feldern und in den Gärten wachsen durfte. Besonders in den 1950er und 60er Jahren wurde in Rethmar auf diesem Gebiet viel Pionierarbeit geleistet.

 

Das Bundessortenamt in Rethmar rechts unten auf der historischen Postkarte
Das Bundessortenamt in Rethmar rechts unten auf der historischen Postkarte

  

Die Hauptstelle des Bundessortenamts wurde 1980 nach Hannover verlegt und die Zweigstelle Rethmar wird Ende dieses Jahres für immer ihre Pforten schließen und sich dann in eine Flüchtlingsunterkunft verwandeln. Aus diesem Anlass werden wir die Geschichte des Bundessortenamts und seinen Einfluss auf die deutsche Sortenzüchtung bis zum Ende des Jahres etwas näher beleuchten.

 

Zunächst wenden wir uns ab dem nächsten Blog-Eintrag jedoch der Geschichte und Bedeutung des Lehrter Bahnhofs zu.