20. November  -  Geschichte des Lehrter Bahnhofs, Teil 1

 

Die Geschichte der Eisenbahn beginnt in England mit der Erfindung der ersten Dampflokomotive 1804 und der ersten öffentlichen Eisenbahnstrecke 1825. Es folgten viele weitere Strecken, die schnell zu einem dichten Schienennetz führten. Einerseits schuf die Eisenbahn die infrastrukturellen Voraussetzungen für die Schwerindustrie, andererseits wurden für sie selbst riesige Materialmengen wie Eisen, Holz und Kohle aus derselben Industrie benötigt. So befeuerte die Eisenbahn ihren eigenen Erfolg und beschleunigte die in England zu dieser Zeit schon sehr

fortgeschrittene industrielle Revolution.

 

Eröffnung der ersten öffentlichen Eisenbahn in England im Jahr 1825
Eröffnung der ersten öffentlichen Eisenbahn in England im Jahr 1825

 

Die Machthaber der deutschen Kleinstaaten verfolgten die Entwicklung der Eisenbahn auf der Insel überwiegend skeptisch, zumal die meisten Staatskassen für die erforderlichen Großprojekte nicht ausgereicht hätten. Als die Warenimporte aus England jedoch günstiger zu werden drohten, als die in Deutschland hergestellten Güter, erwachten die Königshäuser aus ihrem Dornröschenschlaf und sie erkannten die Gefahr, eine zukunftsweisende Entwicklung zu verschlafen.

 

Auch im Königreich Hannover zögerte man lange mit der Realisierung erster Bahnstrecken. Erst durch das Drängen anderer Staaten, wie dem Herzogtum Braunschweig und besonders von preußischer Seite, wurden die ersten Projekte realisiert. Preußen hatte zu dieser Zeit kein zusammenhängendes Staatsgebiet, seit dem Wiener Kongress von 1815 hatte es u.a. die Provinz Westfalen und die Rheinprovinz hinzugewonnen, was für Preußen eine große Bereicherung war. Besonders das Ruhrgebiet mit seinen Kohle- und Eisenerzvorkommen waren gerade für den beginnenden Eisenbahnbau sehr wichtig.

 

Das Königreich Hannover von 1815-1866
Das Königreich Hannover von 1815-1866

 

Das Ruhrgebiet und Berlin waren jedoch großflächig durch das Königreich Hannover getrennt, was für Preußen ein großes Ärgernis bedeutete und Hannover bereits beim nächsten Krieg 1866 zum Verhängnis wurde. Dem außenpolitischen Druck folgte man in Hannover 1843 mit der ersten Bahnstrecke zwischen Hannover und Lehrte, es folgten die Strecken Lehrte-Celle und Lehrte-Hildesheim. Dass die Wahl des Kreuzungspunktes dabei auf das kleine und völlig unbekannte Bauerndorf Lehrte fiel, war purer Zufall und ergab sich aus den Streckenführungen. Für Preußen und damit auch für das zukünftige Deutsche Reich, wurde Lehrte damit aber zu einem Ort von großer wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung.

 

Die Bahnstrecke von Berlin nach Köln über den Bahnknotenpunkt Lehrte im Jahr 1849
Die Bahnstrecke von Berlin nach Köln über den Bahnknotenpunkt Lehrte im Jahr 1849