24. Dezember  -  Expo 2015

 

In der Vorweihnachtszeit gab es wieder unzählige Jahresrückblicke, nur leider hatte 2015 neben Skandalen, Terror, Krieg und Krisen nicht so viel zu bieten. Gott sei Dank gab es wenigstens etwas Positives von der Klimafront zu berichten, denn in Paris wurde nach fast einem Vierteljahrhundert zäher Verhandlungen endlich ein verbindlicher Klimavertrag unterzeichnet und sogar der Vatikan hatte im Juni festgestellt, dass es ernste Umweltprobleme gibt.

 

Aus Italien gab es aber noch mehr Erfreuliches zu berichten, wo in Mailand von Mai bis Oktober die Expo 2015 statt fand. Das Motto der Weltausstellung war "Den Planet ernähren, Energie für das Leben". Eine Freundin unserer Initiative hatte die Ausstellung besucht und zeigte uns ihre Fotos von den vielen interessanten Visionen und Konzepten für die Zukunft, die in Mailand vorgestellt wurden.

 

Expo 2015 in Mailand
Expo 2015 in Mailand

 
Beim Anblick der Fotos kamen natürlich all die Erinnerungen an die Expo 2000 in Hannover zurück, kaum zu glauben, dass seitdem schon wieder 15 Jahre vergangen sind. Auch an die damaligen Diskussionen über den Sinn und Unsinn solcher Großveranstaltungen erinnerten wir uns. Besonders die Grünen, allen voran Joschka Fischer, hatten ja damals gegen die Expo argumentiert. 

 

Lässt sich nach 15 Jahren vielleicht besser darüber urteilen? Was ist geblieben, außer ein schönes Messegelände, eine bessere Infrastruktur und ein aufpoliertes Image für Hannover? Hat die Expo irgendwelche Impulse für eine nachhaltigere Zukunft bewirkt? Die Antwort darauf dürfte nicht so leicht sein, es gab damals ja viele Projekte und Ideen, deren weitere Entwicklung man einzeln nachverfolgen müsste.

 

Von den Pavillions war wohl der Niederländische mit seinen "gestapelten Landschaften" der markanteste und einer der wenigen, der die Zeit überlebt hat (wenn auch nicht im besten Zustand). Vom Themenpark sind uns außerdem die "hängenden Gärten" in Erinnerung geblieben, die sich in einem künstlichen See spiegelten.

 

"Gestapelte Landschaften" auf der Expo 2000 in Hannover. Am Horizont sind auch gut die technischen "Errungenschaften" aus dem Gebiet des "Großen Freien" zu sehen.
"Gestapelte Landschaften" auf der Expo 2000 in Hannover. Am Horizont sind auch gut die technischen "Errungenschaften" aus dem Gebiet des "Großen Freien" zu sehen.

 

Die Bilder aus Mailand waren sehr ähnlich und hätten auch von der Expo 2000 stammen können: Pflanzen und Gärten überall und an den unmöglichsten Orten, an Wänden, auf Dächern, in Häusern (und bei der nächsten Expo in Kasachstan bestimmt auch auf Autos und Raketen). Am besten fanden wir das Bild von den Salatköpfen auf der Stahlkonstruktion, das besonders den Bauingenieuren unserer Saatgutinitiative gefiel. 

 


Das Motto der Expo 2015 in Mailand war: "Den Planet ernähren, Energie für das Leben"
Das Motto der Expo 2015 in Mailand war: "Den Planet ernähren, Energie für das Leben"

 

Aber Spaß beiseite, warum lässt man Pflanzen nicht einfach dort wo sie hingehören, nämlich in gesunder Erde? Gesunde Erde gehört wie Wasser und Luft zu den elementaren Notwendigkeiten von Flora und Fauna, zu denen auch der Mensch gehört. Und genau wie Wasser und Luft zählt gesunde Erde, sei es durch Verwüstung, Erosion oder Anreicherung von Giften aller Art, auch zu den bedrohtesten aller Ressourcen. Das komplexe Zusammenspiel von ca. einer Milliarde Kleinstlebewesen, die sich in einem einzigen Kubikzentimeter fruchtbarer Erde tummeln, ist weitestgehend unerforscht.

 

Die Zahl der Umweltprobleme ist seit der Expo 2000 wohl eher gestiegen als zurückgegangen, doch immerhin haben sich seitdem alle Weltausstellungen mit Umweltthemen beschäftigt und somit dazu beigetragen, dass die Natur wieder ins Bewusstsein der Menschen dringt. Und auf die Lösungsvorschläge zur Rettung der Welt, welche uns bei der Expo 2020 in Dubai präsentiert werden, darf man natürlich auch gespannt sein.

 

Der ganz große Wurf, der eine Erwähnung in zukünftigen Geschichtsbüchern wert wäre, war die Expo 2000 wahrscheinlich nicht. Aus der Sicht unserer Initiative war das allerdings kein Wunder, denn schließlich fand sie auf dem historischen Gebiet des "Kleinen Freien" statt, da darf man auch nicht allzu Großes erwarten. Hätte die Expo im "Großen Freien" stattgefunden, würden sich die Menschen aus aller Welt bestimmt heute noch davon erzählen.

 

Expo 2000 auf dem historischen Gebiet des "Kleinen Freien"
Expo 2000 auf dem historischen Gebiet des "Kleinen Freien"