27. Dezember  -  Auswanderungsland

 

2015 stand Deutschland im Zeichen der Einwanderer, doch in der Vergangenheit war das nicht immer so, im 18. und besonders im 19. Jahrhundert zog es die Deutschen massenweise ins Ausland. Und das hatte weniger mit Fernweh oder Abenteuerlust zu tun, sondern eher mit Hunger, Krieg und politischer Verfolgung.

 

Die größten Auswanderungsströme hatte die Pfalz zu verzeichnen. Die Gründe dafür waren vielfältig und hatten ihren Ursprung hauptsächlich im 30-jährigen Krieg, als die Pfalz zunächst nahezu entvölkert wurde, bald nach dem Krieg aber schon wieder mit Massenzuwanderung zu kämpfen hatte.

 

Anfang des 18. Jahrhunderts setzte in der Pfalz die erste große Massenbewegung nach Übersee ein. Plündernde französische Heere, wirtschaftliche Not und die Unterdrückung der Bevölkerung durch deutsche Fürsten waren die Auslöser. Es waren der Ruf der Freiheit und die Versprechungen oft skrupelloser Schiffsunternehmer, die 1709 über 13.000 Pfälzer den Rhein hinunter lockten, wo für die ärmsten die Reise in Rotterdam schon beendet war. 

 

Die anderen wurden nach England verschifft, man versprach ihnen von dort eine kostenlose Überfahrt nach Nordamerika. Was jedoch folgte war ein monatelanger Aufenthalt in englischen Elendslagern, wo man der Masse an Flüchtlingen nicht gewachsen war. Die am wenigsten willkommenen Katholiken schickte man kurzerhand wieder in die Heimat zurück und ein großer Teil der protestantischen Pfälzer wurde aus politischen Motiven in Irland angesiedelt, wo die Bedingungen noch schlechter als in Deutschland waren.

 

Deutsche Auswanderer auf dem Weg nach Nordamerika.
Deutsche Auswanderer auf dem Weg nach Nordamerika.


Gut 2000 Flüchtlinge schafften es unter widrigsten Umständen in den Hafen von Philadelphia, während mehr als 800 bei der Fahrt über den Atlantik ihr Leben verloren. Die Reise der deutschen Emigranten ging von dort noch viele Monate weiter, bis sie sich schließlich in Pennsylvania niederließen und Frieden fanden. Zigtausende von Pfälzer sollten in den kommenden Jahrzehnten folgen und schon bald stellten sich erste Konflikte mit den englischen "Ureinwohnern" ein, die das Land für sich beanspruchten.

 

Benjamin Franklin schrieb dazu Folgendes:

"Warum sollen wir leiden, daß die Pfälzer Bauernlümmel sich um unsere Ansiedlungen drängen und, indem sie in Rudeln zusammenwohnen, ihre Sprache und Sitten befestigen zum Verderben der unsrigen. Warum soll Pennsylvanien, das von Engländern gegründet wurde, eine Kolonie von Fremdlingen werden, die bald so zahlreich sind, daß sie uns germanisieren, anstatt wir sie englisieren und die ja so wenig unsere Sprache und Gebräuche annehmen wie sie unsere Hautfarbe erlangen können."

 

Pennsylvania, Ziel vieler deutscher Auswanderer
Pennsylvania, Ziel vieler deutscher Auswanderer

 

Und Benjamin Franklin sollte Recht behalten, denn Pennsylvania wurde von den Deutschen bald ein Stempel aufgesetzt, der die Kultur dieses Landes nachhaltig beeinflusste und die immer zahlreicher werdenden Zuwanderer aus der Pfalz dachten zunächst nicht im Geringsten daran, die englische Kultur anzunehmen. Das Wort "Pfälzer" wurde in den englischen Kolonien schon bald zum Schimpfwort und zum Synonym für verarmte deutsche Flüchtlinge.