23. Januar  -  Ford & Heinz

 

2014 machten die Konzerne Ford und Heinz Schlagzeilen, als sie verkündeten gemeinsam an einem Biokunststoff zu forschen. Biomasse aus dem Tomatenanbau solle künftig als Rohstoffquelle für die Herstellung von Fahrzeugteilen dienen. Letztes Jahr im Mai hatten wir schon einmal darüber berichtet. 

  

Aus historischer Sicht passt die Zusammenarbeit sehr gut, denn in der Geschichte beider Konzerne gibt es viele Parallelen. War Henry John Heinz ein Pionier für die Massenherstellung in der Lebensmittelindustrie, so gilt Henry Ford als Erfinder der industriellen Autoproduktion oder gar als Wegbereiter moderner industrieller Produktionsweisen.

 

Genau wie Heinz stammte Ford aus relativ bescheidenen Verhältnissen, seine Eltern waren aus Irland eingewandert und betrieben eine Farm in der Nähe von Detroit. Während einer dürftigen Schulausbildung tüftelte er lieber an Maschinenteilen herum und baute mit fünfzehn Jahren bereits seinen ersten Verbrennungsmotor in seiner eigenen kleinen Werkstatt.

 

 

Henry Ford als junger Ingenieur
Henry Ford als junger Ingenieur

 

Nach einer Ausbildung als Maschinist arbeitete er mehrere Jahre in der Firma des Glühbirnen-Erfinders Edison bis er 1899 seine erste Firma, die Detroit Automobile Company gründete, die aber schon nach drei Jahren pleite ging. Doch genau wie Henry John Heinz, der zu diesem Zeitpunkt schon Multimillionär war, gab Henry Ford nicht auf und gründete 1903 die Ford Motor Company.

 

Von da an ging es steil bergauf. Ford experimentierte mit mehreren Fahrzeugtypen bis er 1908 schließlich das Ford Modell T auf den Markt brachte, das später auch Tin Lizzy genannt wurde. Mit der Entwicklung und Einführung der Fließbandproduktion im Jahr 1913 wurde das Modell T zum Massenprodukt und verkaufte sich bis zum Ende der 20er Jahre über 15 Millionen mal. Dieser Rekord hielt bis in die 1970er Jahre, als er vom VW-Käfer eingestellt wurde. 

 

Das Ford Modell T wurde über 15 Millionen mal verkauft
Das Ford Modell T wurde über 15 Millionen mal verkauft

 

Doch Ford wurde nicht nur durch die Entwicklung der Massenproduktion zum Vorbild moderner Fertigungsweisen, auch bei den Lohn- und Arbeitszeiten in seinen Fabriken führte er bahnbrechende neue Standards ein. So verdoppelte er den damals üblichen Tageslohn bei gleichzeitiger Senkung der Arbeitszeit und Einführung des 8-Stunden-Tags. Er begründete die Verbesserung von Arbeitsbedingungen nicht mit humanen Motiven, sondern mit der Absicht, die Kaufkraft und Freizeit der Arbeiter zu erhöhen, um die Nachfrage nach Autos zu stärken. Damit wurde Henry Ford auch zum Wegbereiter der Konsumgesellschaft des 20. Jahrhunderts.