30. Januar  -  Henry Ford

Henry Fords Lebensgeschichte gehört zu den bemerkenswertesten in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Er war als Sohn eines einfachen Farmbesitzers zu einer der mächtigsten und bekanntesten Personen geworden. Trotzdem waren sein Leben und Wirken schon zu seiner Zeit umstritten und voller Widersprüche. Besonders zweifelhaft waren u.a. sein politisches Engagement und seine Neigungen zum Antisemitismus, die ihn sogar zum Vorbild vieler Nationalsozialisten einschließlich Hitler werden ließen.

 

Als Ford 1913 mit der Einführung der Fließbandproduktion das erste für große Teile der Bevölkerung erschwingliche Massenauto Modell T schuf, hatte er keinen Zweifel, damit etwas zum Wohl der Menschheit beizutragen. Jeder Amerikaner, egal welcher Herkunft, sollte sich ein Auto leisten können, das ihn in seiner Mobilität unabhängig und frei machen würde.

  

Ein Modell T entsprach etwa drei Monatslöhnen eines Fließbandarbeiters bei Ford.
Ein Modell T entsprach etwa drei Monatslöhnen eines Fließbandarbeiters bei Ford.

Ford war davon überzeugt, dass er mit dem Modell T das perfekte Fortbewegungs-mittel entworfen hatte und die Entwicklung des Autos damit abgeschlossen sei. Je mehr er davon produzierte, desto günstiger würde es werden und desto mehr Menschen würden so ihr Reisebedürfnis stillen können.

 

Der Erfolg gab ihm Recht, bis in die Mitte der zwanziger Jahre stiegen die Absatzzahlen und Henry Ford weigerte sich, irgendetwas am Design oder der Leistung des Modell T zu verändern oder gar ein zweites Modell auf den Markt zu bringen, das der Senkung der Produktionskosten entgegengewirkt hätte.

 

Nach Fords Philosophie hatte ein Auto nur seinen Nutzen zu erfüllen und sollte möglichst einfach in Bedienung, Wartung und Aussehen sein. Selbst die Wahl einer zweiten Farbe hielt Ford für überflüssigen Luxus.

 

Zwei seiner berühmtesten Zitate lauteten wie folgt:

 

„Jeder Kunde kann sein Auto in einer beliebigen Farbe lackiert bekommen, solange die Farbe, die er will schwarz ist.“

 

„Ein vernünftiges Auto soll seinen Besitzer überallhin transportieren — außer auf den Jahrmarkt der Eitelkeiten.“

 

Ford legte schon früh großen Wert auf Werbung
Ford legte schon früh großen Wert auf Werbung

 

Ab Mitte der 20er Jahre brachen die Verkaufszahlen des Modell T jedoch ein. Der Grund dafür lag in erster Linie am gesteigerten Angebot konkurrierender Autohersteller, so dass sich auch die Ford Company schließlich gezwungen sah, ein zweites Modell zu entwickeln. Mit der Steigerung der Angebotsvielfalt begannen allmählich auch die Ansprüche des Marktes zu steigen. Die Konsumfreude der Käufer wurde geweckt und schon bald genügte es nicht mehr ein Auto zu besitzen, sondern es musste auch den individuellen Wünschen und Erfordernissen jedes Einzelnen entsprechen.

 

War das Modell T in den USA noch ein Symbol von Freiheit und Gleichheit gewesen, so standen Autos schon in den 50er Jahren eher für Selbstverwirklichung, Individualität oder Status. Und es dauerte keine zwanzig weitere Jahre, bis bereits die ersten negativen Effekte, wie Staus, Ölkrise, Arbeitslosigkeit, Umwelt-verschmutzung oder Ressourcenverbrauch in Erscheinung traten.

 

 

Henry Ford wurde Zeit seines Lebens nie von größeren Selbstzweifeln geplagt, so zahlreich seine Gegner auch waren. Bis heute ist er das große Vorbild in der Unternehmerwelt geblieben und seine Zitate werden in Managerseminaren wie heilige Gebote gepredigt.

 

Wenn er heute noch leben und man ihn mit der Tatsache konfrontieren würde, dass sein Lebenswerk nicht unerheblich zum Treibhauseffekt beiträgt, er würde wahrscheinlich wie die meisten konservativen US-Amerikaner leugnen, dass es überhaupt einen von Menschen gemachten Klimawandel gibt.