19. März  -  Der "Rote Heinz" ist tot

 

Nicht nur in der Welt der Nutzpflanzen scheint das Aussterben regionaler Sorten und Originale ein Problem zu sein, auch andere Kulturbereiche haben damit zu kämpfen, wie das folgende Beispiel zeigt.

 

Neulich stießen wir im Internet auf eine Meldung, die uns einen ziemlichen Schreck einjagte. "Der Rote Heinz ist tot!" war die Schlagzeile der Nachricht und zwar schon seit November letzten Jahres. Das kann nicht sein, dachten wir, schließlich hatten wir in den letzten Wochen zahlreiche Tütchen mit Saatgut der historischen Tomatensorte abgefüllt und sie in und um Hannover verteilt. Außerdem hatten wir bereits die ersten Saatkörner ausgesät, von denen auch schon einige gekeimt waren. Der "Rote Heinz" mag ja vielleicht eine vom Aussterben bedrohte Sorte sein, aber von "tot" kann also noch nicht die Rede sein.

  

Beim lesen der Nachricht klärte sich der Sachverhalt schnell auf, denn es war gar nicht von der bedrohten hannoverschen Gemüsesorte die Rede. Vielmehr wurde von einem bekannten österreichischen Namensvettern berichtet, der letztes Jahr gestorben war. Es handelte sich nämlich um einen berüchtigten ehemaligen Kriminellen der Wiener Unterwelt. Sein richtiger Name war Heinz Bachheimer, doch man nannte ihn nur ehrfürchtig den "Roten Heinz" oder auch den "Roten Heinzi", den Rotlicht-König von Wien.

  

Der "Rote Heinz" war das letzte Original der Wiener Unterwelt. Foto: Starpix/Alexander TUMA
Der "Rote Heinz" war das letzte Original der Wiener Unterwelt. Foto: Starpix/Alexander TUMA

 

Gefürchtet und respektiert und von vielen sogar verehrt und bewundert wurde er besonders in den 1970er Jahren, als er das Wiener Rotlicht-Geschehen lenkte wie kein anderer vor ihm. Bald war er auch überregional bekannt und selbst im deutschen Fernsehen wurde nach ihm gefahndet, was ihn in Österreich allerdings nur umso bekannter und beliebter machte.

  

Als man ihn 1978 verhaftete und anschließend zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilte, soll er einen goldenen Revolver bei sich getragen haben. Er gilt als einer der letzten Originale in Wiens Unterwelt und gehört damit, genau wie der "Rote Heinz" in Hannover, einer aussterbenden Spezies an.