31. Juli  -  Tomatengeschichte - Teil 2

 

Als die Spanier wahrscheinlich schon auf der ersten oder zweiten Kolumbusreise die Tomate entdeckten, erweckte dieses fremdartige Gewächs bei ihnen tiefstes Misstrauen. Ohne Zweifel musste es sich hierbei um ein Nachtschattengewächs handeln, was sie richtig erkannten.

 

In Europa waren Nachtschattengewächse wie Alraunen oder Tollkirschen bekannt und diese waren nicht nur giftig, sondern galten schlechthin als Inbegriff des Bösen. Wer solche Pflanzen in seinem Garten hatte, konnte auch schon mal auf dem Scheiterhaufen landen, der im Laufe des 16. Jahrhunderts wieder sehr in Mode kam, obwohl in dieser Zeit das Mittelalter eigentlich vorbei war.

 

In ihrem Misstrauen bestätigt fühlten sich die Spanier, als sie sahen, welch niederträchtigen Dinge die Ureinwohner Amerikas mit den Früchten dieser Pflanze trieben. Bei Gesichtserkrankungen z.B. trugen sich die Azteken Gesichtsmasken aus Eidechsenkot, Ruß und Tomatensaft auf. Und nicht nur das, sie opferten sogar Menschen und verarbeiteten das Fleisch zusammen mit Chili und Tomaten zu deftigen Eintöpfen. Eine solch bösartige Kultur hatte es im Verständnis der damaligen Europäer wohl nicht anders verdient, als ausgelöscht zu werden.

 

Kolumbus entdeckt Amerika
Kolumbus entdeckt Amerika

 

Auf seiner dritten Reise (1498-1500) gelangte Kolumbus jedoch an ein südamerikanisches Küstengebiet, dessen Landschaft und Vegetation unbeschreiblich schön waren, genau wie dessen Einwohner, makellos und gesund. Kolumbus hatte wenig Zweifel, dass er soeben das Paradies entdeckt hatte. Bei seiner Rückkehr in Europa verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer auf dem ganzen Kontinent und man begriff, dass die Geschichte der Menschheit, wie sie in der heiligen Schrift niedergeschrieben stand, nicht länger den Tatsachen entsprechen konnte.

 

Bei dem Apfel aus der Bibel musste es sich natürlich um eine Tomate gehandelt haben, dessen Urform in dem gerade entdeckten Paradies überall zu finden war. Mit dieser Frucht erschien vieles einleuchtender, schließlich lockte sie mit verführerischer Schönheit, um das Opfer heimtückisch zu vergiften, wie man damals glaubte.

 

In vielen europäischen Ländern wurde die Tomate deshalb nicht nach ihrer aztekischen Bezeichnung "tomatl" benannt, sondern man gab ihr den Namen "Paradiesapfel", so z.B. in den von den Habsburgern regierten Ländern, wie Schlesien, Böhmen und Tirol. Die Österreicher sagen deshalb heute noch "Paradeiser" und ließen sich das Recht zu der offiziellen Verwendung dieser Bezeichnung sogar von der EU verbriefen, allen europäischen Vereinheitlichungsbemühungen zum Trotz. Schließlich wird in Österreich großer Wert auf regionale Eigenarten und kulturelle Identität gelegt.