Verlust der Kulturpflanzenvielfalt (Teil 4)

 

Sortenverlust durch Verbraucherverhalten

 

Ein weiterer Grund für die Einengung des Sortenspektrums liegt in den tiefgreifen-den sozialen Veränderungen unserer Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten. Unsere Koch- und Essgewohnheiten haben sich infolgedessen sehr gewandelt.

 

Mit Fastfood und Fertiggerichten hat die Nahrungsmittelindustrie darauf reagiert. Neben dem Handel bestimmt sie heute weitgehend die Anforderungen an die landwirtschaftlichen Produkte - oft auf Kosten der Geschmacksqualität und sehr wahrscheinlich auch auf Kosten von Vitalität und Gesundheit. Das Angebot bei Obst und Gemüse ist auf wenige Sorten reduziert. Der Verbraucher scheint nur noch drei Kartoffel-„Sorten" zu kennen: mehlig, vorwiegend fest und fest kochend.

 

Dass es weltweit über 2.000 verschiedene Kartoffelsorten mit unterschiedlichsten Eigenschaften gibt – in Deutschland sind immerhin 160 davon für den Anbau amtlich registriert – merken die Verbraucher beim Einkaufen im Supermarkt kaum.

 

Das gilt für die anderen Gemüsearten natürlich ebenso. Nur wenige Pflanzen- und Haustierarten bilden die Grundlage unserer Ernährung: Zwölf Pflanzenarten und fünf domestizierte Landtierarten stellen heute 70 Prozent der gesamten Nahrungsmittel-versorgung bereit.