Kaffezichorie

 

Geschichte

Seit Eröffnung der ersten Kaffeehäuser in Europa Mitte des 17. Jahrhunderts war Kaffeegenuss ein Privileg der Reichen und Adligen. Für die unteren Bevölkerungs-schichten war echter Bohnenkaffee noch bis in die 1950er Jahre hinein ein Luxus, den man sich höchstens bei feierlichen Anlässen leisten konnte.

 

Schon früh war die teure Kolonialware Gegenstand wirtschaftlicher Interessen, so verbot z.B. Friedrich der Große den privaten Handel mit Kaffeebohnen, um den Kapitalfluss ins Ausland zu verringern und damit die preußische Wirtschaft zu stärken. Oder als Napoleon später mit der Kontinentalsperre vergeblich versuchte, England wirtschaftlich in die Knie zu zwingen, förderte er damit einen florierenden Kaffeeschmuggel in Europa.

 

Kaffee stand aber auch von Anfang an im Verdacht gesundheitsschädlich zu sein und so bemühte man sich billigere und unbedenkliche Alternativen aus heimischem Anbau zu finden. Um 1770 entdeckten schließlich die Deutschen Christian von Heine und Christian Gottlieb Förster, dass die geröstete und gemahlene Wurzel der Zichorie sich ausgezeichnet zur Herstellung eines kaffeeähnlichen Getränks eignet, das für alle erschwinglich und außerdem auch sehr gesund war.

 

Vor allem in Braunschweig entstanden daraufhin viele Betriebe, die sich auf die Herstellung des Zichorienkaffees spezialisierten, der sich bald schon größerer Beliebtheit in ganz Deutschland erfreute. Zur größten dieser Betriebe entwickelte sich die Zichorienfabrik von Ludwig Otto Bleibtreu, dem durch eine arbeitsteilige Fertigung eine beinahe schon industrielle Produktion von Zichorienkaffee gelang.

 

Die Zichorienfabrik Ludwig Otto Bleibtreu im 19. Jahrhundert in Braunschweig
Die Zichorienfabrik Ludwig Otto Bleibtreu im 19. Jahrhundert in Braunschweig

 

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Fabrik von Ludwig Otto Bleibtreu betrieben, die mit der Aussage "erste und älteste Kaffeesurrogatfabrik Deutschlands" warb und noch bis zum Ende der 1930er Jahre wurde unter diesem Markennamen Zichorienkaffee verkauft.

 

Während des dritten Reichs kam die Produktion und der Vertrieb von Kaffee-Surrogat unter staatliche Verwaltung und besonders in der Nachkriegszeit, als Bohnenkaffee zur Mangelware wurde, setzte sich in der Bevölkerung für Kaffeeersatz immer mehr der Name "Muckefuck" durch. Diese Bezeichnung war jedoch bald schon sehr negativ besetzt und erinnerte die Menschen an das Nachkriegselend.

 

1954 schuf die Firma Franck + Kathreiner GmbH deshalb aus Teilen des Wortes Kaffeesurrogatextrakt den Markennamen Caro-Kaffee und ersetzte den Anfangsbuchstaben "K" durch ein "C". Zwar besteht Caro-Kaffee hauptsächlich aus Getreide, aber die geröstete Wurzel der Zichorie ist heute immer noch ein Bestandteil des bekannten Getränks.