Ackerbohne "Deister"

 

Geschichte

Ähnlich wie die Stangenbohne „Hildesheimer“ ruhte die  Deister Ackerbohne jahrzehntelang in einer Genbank und wurde praktisch nicht mehr angebaut. Wahrscheinlich hatte sie irgendwann eine regionale Bedeutung, sonst wäre sie nicht zu ihrem Namen gekommen.

 

Das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung setzte sie 2012 mit vielen anderen alten deutschen Bohnensorten auf eine rote Liste, um auf die Gefährdung dieser Sorten aufmerksam zu machen. Der VEN (Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt) sowie der „Vermehrungsgarten Hannover“ haben sich seitdem dieser vergessenen Regionalsorte angenommen und versuchen, sie in Zukunft wieder einem größeren Publikum zugänglich zu machen.

 

Sortenbeschreibung und Anbautipps

Die Pflanzen mögen tiefgründigen, lehmigen Boden und werden über einen Meter hoch. Die Samen können und sollten schon früh gesät werden, weil die Pflanze einstellige Minustemperaturen gut verträgt und dadurch die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten und Blattlausbefall sinkt.


Die Bohne besitzt, wie viele andere Hülsenfrüchte auch, die Fähigkeit, Luftstickstoff durch sogenannte Knöllchenbakterien an den Wurzeln zu binden. Sie benötigt deshalb keine Düngung und kann sogar nachfolgende Kulturen mit denen von ihr im Boden angereicherten Nährstoffen versorgen. Im ökologischen Landbau sind Hülsenfrüchte deshalb von großem Wert.

 

Der Deister ist ein kleines Gebirge südlich von Hannover. Nach Ende des

2. Weltkriegs stand der am Fuße des Deisters gelegene Ort Wennigsen für kurze Zeit im Mittelpunkt des politischen Geschehens in Deutschland. Hier fand vom 5. bis zum 7. Oktober 1945 die "Wennigser Konferenz" statt, die als Geburtsstunde der Nachkriegs-SPD in Westdeutschland gilt. Kurt Schumacher, der bis 1933 zu den einflussreichsten SPD-Politikern gehörte und während der Nazi-Herrschaft verfolgt, inhaftiert und misshandelt wurde, beauftragte man auf dieser Konferenz mit der Organisation und Leitung des Wiederaufbaus der SPD.


 

Unbestritten war, dass Schumacher sowohl die Fähigkeiten als auch die moralische Berechtigung wie kein anderer für diese Aufgabe besaß, denn er hatte die Nazis schon in den 1920er Jahren bekämpft, als sie von den meisten Deutschen noch gar nicht als Gefahr wahrgenommen wurden. Genauso hatte er jedoch auch die Kommunisten bekämpft und so hatte Schumacher für Nachkriegsdeutschland eine klare Vision: Es dürfe keinesfalls vom stalinistischen Kommunismus geprägt werden, doch eine Hingabe zum kapitalistischen Westen konnte nach Schumachers Überzeugung genau so wenig der richtige Weg sein. Für ihn kam nur der Mittelweg eines neutralen Staates in Frage, geprägt vom sozialen Gedanken in einer freien Demokratie. Viele Jahre des Studiums und praktischer politischer Erfahrung hatten in ihm die Erkenntnis gefestigt, dass eine freie Demokratie nur mit einem gesunden Sozialismus und der Sozialismus nur in einer freien Demokratie funktionieren könne.

 

Denkmal in Wennigsen zum Gedenken an Kurt Schumacher
Denkmal in Wennigsen zum Gedenken an Kurt Schumacher

 

Wenn man die Entwicklung beider deutscher Staaten ab Mitte der 1950er Jahre betrachtet, könnte man auch sagen, Schumacher wollte nicht zwischen Kommunismus und Konsumismus wählen müssen, was für ihn einer Wahl zwischen Pest und Cholera gleichkam. Beide Ideologien waren für ihn verwerflich und nicht zukunftsfähig.

 

Als 1949 die erste Bundestagswahl an die CDU verloren ging, ahnte Schumacher, dass Deutschlands Weg in die Zukunft ein anderer werden würde. Trotzdem engagierte er sich in den folgenden Jahren mit ganzer Kraft für eine starke Opposition, welche er für eine funktionierende Demokratie für unverzichtbar hielt. Das körperliche Leid, zugefügt durch die Nazis, hatte bei ihm jedoch tiefe gesundheitliche Spuren hinterlassen, so dass er 1952 an den Folgen starb.

 

Den Anbau und die Erhaltung der "Deister Ackerbohne" möchten wir deshalb in Gedenken an Kurt Schumacher betreiben. Auch sie könnte, genau wie die Stangenbohne "Kaiser Friedrich" oder die Gurke "Berliner Aal", ein Opfer der nationalsozialistischen Sortenbereinigung in den 1930er Jahren gewesen sein.