Stangenbohne "Napoleon"

 

Geschichte

 

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren die Hauptparolen der französischen Revolution und der darauf folgenden Epoche, die für Europa eine bis heute prägende Zeitenwende einläutete. Genau wie ihr berühmter Namensgeber kam die Stangenbohne „Napoleon“ mit französischen Truppen nach Deutschland, das damals noch aus einer Vielzahl von Königreichen und Herzogtümern bestand. Die Bauern und Bürger dieser kleinen Regionalstaaten interessierten sich bis dahin kaum für alles was sich außerhalb dessen abspielte. Krieg oder Frieden wurden hingenommen wie Naturereignisse, auf die man keinen Einfluss hat.

 

 

Aus Sicht der deutschen Kulturgeschichte fällt diese Epoche in die Goethe-Zeit. Obwohl sich der Dichter und Gärtner später unter Kaiser Napoleon treu und ergeben zeigte, hatte Goethe gegen die Ideen und Ideale der französischen Revolution tiefste Vorbehalte.

 

„Freiheit“ bedeutete für ihn eher die Freiheit des Einzelnen, sich seiner inneren und äußeren Natur bewusst zu werden und dieser Natur bedingungslos zu folgen. Das aufkeimende Nationalbewusstsein, die Gleichstellung der Massen in Verbindung mit der damals beginnenden Industrialisierung beunruhigten Goethe dagegen sehr und mit zunehmendem Alter wurden ihm die damit einhergehenden, tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen immer deutlicher.

 

Mit seinem bedeutendsten Werk, der Tragödie Faust, insbesondere mit dem Spätwerk Faust II, zeichnete der Dichter ein umfassendes und weit in die Zukunft blickendes, kritisches Bild von der modernen Gesellschaft, welche aus ökonomischer und politischer Sichtweise in der Goethe-Zeit ihren Ursprung hat. Bis heute ist eine

abschließende Deutung des Faust nicht gelungen. Vielleicht auch, weil Goethe

über unseren Zeithorizont hinausblickte?

  

Goethe und Napoleon im Jahr 1808 beim Erfurter Fürstenkongress
Goethe und Napoleon im Jahr 1808 beim Erfurter Fürstenkongress

  

Die Personen Napoleon Bonaparte und Johann Wolfgang von Goethe sind jedenfalls schon lange fort. Die Stangenbohne „Napoleon“, ein Relikt aus dieser Zeit, ist aber glücklicherweise geblieben. Besonders in den deutschen Gebieten westlich des Rheins, die von der Zeit Napoleons am stärksten geprägt wurden, hat man diese Stangenbohne in den letzten Jahren wiederentdeckt. Seitdem wird sie dort von einigen Initiativen rekultiviert und am Leben gehalten.