Grünkohl "Rote Palme"

Geschichte

Grünkohl oder auch Braunkohl ist die älteste der uns heute bekannten Kohlarten und steht dem Wildkohl aus kulturhistorischer Sicht am nächsten. In Deutschland war der Wildkohl hauptsächlich in den klimatisch rauhen Gebieten der Nordseeküste zu Hause, wo er heute in seiner ursprünglichen Form nur noch auf Helgoland zu finden ist. Der erste kultivierte Grünkohl stammt wahrscheinlich aus Italien oder Griechen-land, wo verschiedene Sorten schon in der antiken Gemüseliteratur beschrieben wurden.

 

Wie alle Grünkohlsorten blüht die "Rote Palme" erst im Folgejahr seiner Aussaat
Wie alle Grünkohlsorten blüht die "Rote Palme" erst im Folgejahr seiner Aussaat

 

Die meisten alten regionalen Grünkohlsorten finden sich heute wahrscheinlich in ostfriesischen Gärten, weil er dort am besten gedeiht und weil es in Ostfriesland noch einige ältere Menschen gibt, die sie anbauen und vermehren. Doch es gibt nicht mehr viele Privatgärtner, die das Ernten oder die richtige Aufbewahrung des Saatguts von ihren Eltern gelernt haben, so wie es jahrhundertelang üblich war. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts verschwinden die Selbstversorgergärten und nach und nach sterben auch die Menschen, mit ihrem überlieferten Wissen, für das sich die jüngeren Generationen nicht mehr interessieren. Und mit den Menschen sterben schließlich auch die alten Sorten.    

 

Der Biogärtner Reinhard Lühring erkannte in den 90er Jahren das Problem und machte sich in ganz Ostfriesland auf die Suche nach den wenigen noch vorhandenen Grünkohlsorten. Mittlerweile hat Lühring 25 Sorten wiederentdeckt und sie damit vor dem Aussterben bewahrt, doch gemeinsam mit dem Verein Dreschflegel e.V. bemüht er sich auch um die züchterische Weiterentwicklung der alten Sorten. So schuf er durch Kreuzung von "Ostfriesischer Palme" und "Ostdeutschem Braunkohl" eine neue Sorte, die die positiven Eigenschaften der beiden alten Sorten vereint und gab ihr den Namen "Rote Palme".