Tomaten



Die Tomate stammt aus Süd- und Mittelamerika, wo ihre Wildformen noch immer in Ländern wie Chile und Venezuela zu finden sind. Seit ca. 200 v. Chr. wurde sie von den Maya und anderen Völkern in Kultur genommen.

 

In Europa wurde sie vermutlich durch Kolumbus eingeführt und verbreitete sich zunächst in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts hauptsächlich in Italien, wo sie schon früh in der Küche Einzug erhielt.

 

In Deutschland war sie bis weit ins 19. Jahrhundert nahezu unbekannt und wurde lediglich als Zierpflanze angebaut. Lange Zeit galten Tomaten als giftig, auch weil sie zur Familie der Nachtschattengewächse gehören.

 

Seit ca. 1900 verbreitete sich die Tomate als Nutzpflanze auch in Mitteleuropa, zunächst hauptsächlich in Österreich und Süddeutschland. Nach 1945 begann dann ihr Siegeszug zur beliebtesten Gemüseart in Deutschland.

 

Die Geschichte der Tomate

Die Früchte der Tomate waren ursprünglich nur so groß wie Johannisbeeren. Es waren Wildtomaten, die höchstwahrscheinlich in den Anden auf dem Gebiet des heutigen Chiles beheimatet waren und das Nahrungsangebot der Menschen bereicherten. 

 

Allmählich verbreiteten sich die Wildarten über ein größeres Gebiet der heutigen Länder Kolumbien, Bolivien und Peru. Die reichtragenden und widerstandsfähigen Urformen der Tomate wurden dann von den Mayas und Inkas ab ca. 200 v. Chr. in Kultur genommen.

 

Der erste Europäer, der eine Tomate zu sehen bekam, war Kolumbus. Die Pflanzenart hatte zu dieser Zeit schon etwa 1700 Jahre Kulturgeschichte verschiedener Hochkulturen hinter sich und hatte mit den Urformen wahrscheinlich nicht mehr viel gemeinsam.

 

Als die Spanier wahrscheinlich schon auf der ersten oder zweiten Kolumbusreise die Tomate entdeckten, erweckte dieses fremdartige Gewächs bei ihnen tiefstes Misstrauen. Ohne Zweifel musste es sich hierbei um ein Nachtschattengewächs handeln, was sie richtig erkannten.

 

In Europa waren Nachtschattengewächse wie Alraunen oder Tollkirschen bekannt und diese waren nicht nur giftig, sondern galten schlechthin als Inbegriff des Bösen. Wer solche Pflanzen in seinem Garten hatte, konnte auch schon mal auf dem Scheiterhaufen landen, der im Laufe des 16. Jahrhunderts wieder sehr in Mode kam, obwohl in dieser Zeit das Mittelalter eigentlich vorbei war.

 

In ihrem Misstrauen bestätigt fühlten sich die Spanier, als sie sahen, welch niederträchtigen Dinge die Ureinwohner Amerikas mit den Früchten dieser Pflanze trieben. Bei Gesichtserkrankungen z.B. trugen sich die Azteken Gesichtsmasken aus Eidechsenkot, Ruß und Tomatensaft auf. Und nicht nur das, sie opferten sogar Menschen und verarbeiteten das Fleisch zusammen mit Chili und Tomaten zu deftigen Eintöpfen. Eine solch bösartige Kultur hatte es im Verständnis der damaligen Europäer wohl nicht anders verdient, als ausgelöscht zu werden.

 

Kolumbus entdeckt Amerika
Kolumbus entdeckt Amerika

 

Auf seiner dritten Reise (1498-1500) gelangte Kolumbus jedoch an ein südamerikanisches Küstengebiet, dessen Landschaft und Vegetation unbeschreiblich schön waren, genau wie dessen Einwohner, makellos und gesund. Kolumbus hatte wenig Zweifel, dass er soeben das Paradies entdeckt hatte. Bei seiner Rückkehr in Europa verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer auf dem ganzen Kontinent und man begriff, dass die Geschichte der Menschheit, wie sie in der heiligen Schrift niedergeschrieben stand, nicht länger den Tatsachen entsprechen konnte.

 

Bei dem Apfel aus der Bibel musste es sich natürlich um eine Tomate gehandelt haben, dessen Urform in dem gerade entdeckten Paradies überall zu finden war. Mit dieser Frucht erschien vieles einleuchtender, schließlich lockte sie mit verführerischer Schönheit, um das Opfer heimtückisch zu vergiften, wie man damals glaubte.

 

In vielen europäischen Ländern wurde die Tomate deshalb nicht nach ihrer aztekischen Bezeichnung "tomatl" benannt, sondern man gab ihr den Namen "Paradiesapfel", so z.B. in den von den Habsburgern regierten Ländern, wie Schlesien, Böhmen und Tirol. Die Österreicher sagen deshalb heute noch "Paradeiser" und ließen sich das Recht zu der offiziellen Verwendung dieser Bezeichnung sogar von der EU verbriefen, allen europäischen Vereinheitlichungs-bemühungen zum Trotz. Schließlich wird in Österreich großer Wert auf regionale Eigenarten und kulturelle Identität gelegt.

 

Es dauerte einige Jahre, bis sich in Europa die Aufregung über die Entdeckung des Paradieses in der neuen Welt gelegt hatte. In den Fürstenhäusern wurden die Mitbringsel der Seefahrer herumgereicht und bestaunt, dazu gehörten auch die neuen seltsamen Tomatengewächse. Bald durften sie in keinem adligen Gewächs-haus mehr fehlen, wenn auch nur als Zierpflanze.

 

Auch die Botaniker fingen an sich mit der Tomate zu beschäftigen und fanden in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts zahlreiche neue Bezeichnungen für die Pflanze, wie peruanischer Apfel, Wolfspfirsich oder Liebesapfel. Genauso vielfältig waren die Zuordnungen zu den damals bekannten Pflanzengattungen, schließlich gab es zu dieser Zeit noch kein einheitliches Klassifizierungssystem für Pflanzen und Tierarten, welches erst im 18. Jahrhundert durch den Schweden Carl von Linné eingeführt wurde. Zumindest war man sich einig, dass es ein Nachtschattengewächs war. 

 

Stillleben von Vincent van Gogh mit Makrelen, Zitronen und Tomaten aus dem Jahr 1886
Stillleben von Vincent van Gogh mit Makrelen, Zitronen und Tomaten aus dem Jahr 1886

 

Erste Hinweise auf die Nutzung von Tomaten als Nahrungsmittel finden sich in Kochbüchern des späten 16. Jahrhunderts. Es waren die Italiener, die sich als erstes trauten, Tomaten zu essen und sie fanden schnell vielfältige Verwendungs-möglichkeiten in ihrer mediterranen Küche. Aber auch in England gehörten Tomaten immerhin schon um das Jahr 1800 zum allgemeinen Küchenrepertoire. In Deutschland dauerte es noch etwa hundert Jahre bis Tomaten, ausgehend von den Wiener Märkten, sich ganz langsam in Richtung Norden verbreiteten.